Strömungen

Strömungen ist ein Projekt mit variablen und konstanten Parametern, deren Verteilung allerdings wechselnden Strömungen unterliegt.
Bisherige Konstanten: Fine Kwiatkowski: Tanz, Willehad Grafenhorst: Kontrabass oder Kontrabass-Balalaika, Elektronik, Computervisualisierung, Video.

Der Ablauf ist jeweils vorgegeben durch eine Licht / Video Abfolge, produziert von zwei Videoprojektoren, gesteuert durch zwei vernetzte Computer, mit Live-Video Passagen gespeist von einer Miniatur Funk-Kamera am Handgelenk von Fine Kwiatkowski.

Die Bilder werden direkt in den Raum projiziert, wir versuchen, mit den architektonischen Gegebenheiten zu arbeiten, durch gezielte Lichtsetzung den Raumeindruck zu verändern, Perspektive und Fokussierung als wesentliche Parameter der Wahrnehmung zu etablieren.

Bisher gab es 9 unterschiedliche Besetzungen in 15 Aufführungen

aufgenommen am 22.05.2006 in Gießen

Presse

Körperbewegung, Licht und Klänge in einem steten Fluss

Ungewöhnliche Performance der Tänzerin Fine Kwiatkowski beim "Improvisers Pool"

Seit die Bücher aus der alten Universitätsbibliothek verschwunden sind, geschehen dort nach Einbruch der Dunkelheit ungewöhnliche Dinge. Nun gab es wieder ein Improvisationskonzert. Das klingt harmlos. Doch die Berliner Tänzerin Fine Kwiatkowski, Willehad Grafenhorst an Bassbalalaika und Soundgerätschaften, Wolfgang Schliemann am Schlagzeug und last not least Pianist Peter Geisselbrecht fügten ihre gebündelten Ideen und Kompetenzen zu einer multimedialen Tour de force zusammen, die im Publikum niemand unberührt ließ. Kwiatkowski, Jahrgang 1956, ist Gießener Musikfreunden vielleicht noch aus den Tagen der Neuen Deutschen Musik in Erinnerung, die dereinst im Theaterstudio am Löbershof (Til) stattfanden. Ihr Thema ist die tänzerische Improvisation. Sie arbeitet zusammen mit dem Bassisten, Bassbalalaikaspieler und Soundspezialisten Willehad Grafenhorst, mit dem sie gerade von einer Mexikotournee zurückkehrte. Schlagzeuger Wolfgang Schliemann, Jahrgang 1956, dessen Arbeit Georg Wolff vom veranstaltenden "Giessen Improvisers Pool" reine Poesie nannte, sorgte für ein Panorama perkussiver Elemente, und Pianist Peter Geisselbrecht aus Biebertal rundete das ungewöhnliche Ereignis ab.
Am Anfang herrscht Stille. Nur ein winziges Rauschen dringt aus den Lautsprechern, es ist dunkel im großen Lesesaal, und fast übersieht man dabei den Auftritt Fine Kwiatkowskis. Die kahle Tänzerin bewegt sich lautlos auf die riesige Spielfläche, ihr schlichtes weißes Kleid verleiht ihr etwas Verletzliches, fast Intimes. Klein wirkt sie neben der mächtigen Treppe zur Galerie, auf die das Publikum längs durch den Raum blickt. Plötzlich füllen computergesteuerte Bilder diese und die Wand links davon, bilden zusammen eine riesige Leinwand, eine Wasserfläche. Sie definiert für den Moment die Proportionen neu, während Kwiatkowski sich einem naheliegenden Klischee gemäß bewegt.
Die Projektionen - Videofilmbilder, Fotos und verschiedene Strukturen, etwa ein effektvolles Bildrauschen oder diverse schlichte Muster - lassen zum einen immer wieder die Konturen des Raums verschwinden. Zum anderen ergibt sich aus den tänzerischen Bewegungen Kwiatkowskis eine fließende Veränderung dieser Lichtproportionen auf ihrem Körper sowie eine veränderte Interaktion der Bewegung und der Geschwindigkeit, in der sich die Bilder bewegen. Dazu kommen die vielfältigen Geräusche des Schlagzeugs, das Schliemann tatsächlich aufs Sensibelste zu bedienen weiß, mannigfaltige rhythmische Sounds aus dem Computer gesellen sich dazu. Geisselbrecht streut hin und wieder ein paar Klangelemente aus dem Klavier ein; manche sind bildschön. Das Ganze steigert sich in dynamischen Wellen, wobei man immer wieder beglückt feststellt, dass jede Nuance, jeder Bildeinfall und jede musikalische Ingredienz minutiös in das Geschehen integriert sind, Musiker und Tänzerin feinfühlig aufeinander eingehen. Dabei besitzen die musikalischen Elemente höchstes Niveau, in allen ist die jeweilige Handschrift klar zu erkennen, und das höllische Finale ist ein besonderer stereophoner Leckerbissen. Kraftvoller Tanz, originelle Bilder und vor allem eine raffiniert ausgewogene Gesamtkomposition: ein starker Abend.
(Heiner Schultz, Usinger Anzeiger, 25.04.2006)

  

Gipfelsturm 4: Ein Sinnesopiat war weiters die Performance des Ensembles COURANTS, das sich permanent mutierend um die beiden Eckpfeiler Fine Kwiatkowski (Tanz) und Willehad Grafenhorst (Bass-Balalaika, Visuals) gruppiert. Partner waren diesmal die beiden Franzosen Lê Quan Ninh und Michel Doneda. Zwei exellente Musiker mit ausreichender Erfahrung in genreübergreifenden Projekten. Zu erleben war hier ein Glücksfall einer multimedialen Vernetzung. Sowohl die Tänzerin als auch der Bildregisseur als auch die Musiker extemporierten mit einem Höchstmaß an Sensibilität und Kommunikationsbereitschaft und fanden darob zu eigenwilliger Lesart. So ergossen sich fortwährend spannendste Verdichtungen der einzelnen Ausdrucksformen, mit immer wieder überraschenden, störrischen Klangwelten, Gestiken und Optiken, in den Raum, dem sich die AkteurInnen umsichtig widmeten. Flüchtig schöne Strömungen.
(freiStil-Magazin, Wels)

 

Brillante Videoinstallationen illustrieren finstere, geschichtete Klanghaufen. Das Bild einer Welt zwischen hektischer Betriebsamkeit und Erstarrung in emotionaler Eiseskälte wird vermittelt. Nicht einmal die bewegliche androgyne Tänzerin Fine Kwiatkowski findet einen Ausweg. Begeisterter Applaus für schwere Kost.
(Christoph Haunschmid, Oberösterreichische Nachrichten, Linz)

 

Fine Kwiatkowski / Michel Doneda - Foto: Iztok Zupan