Stahlzeit

Seit 2004 arbeitet das Duo cri du coeur in verschiedenen Performances in den Skulpturen von Robert Schad, zuletzt zur Ausstellung <Mittendrin> in Schorndorf. Zuvor aufgenommene Samples der Stahlskulpturen, mit dem Programm Audiomulch in einer Echtzeit Komposition verarbeitet, bilden die Grundlage der Klangebene.

Das Videobeispiel wurde 2011 in der Galerie Seipel in Johannesburg aufgezeichnet.

Presse

Linien aus Stahl und Körper

Tanzperformance mit der Berlinerin Fine Kwiatkowski im Ludwig Museum

KOBLENZ. "Tänzerisch", "Ballerina": Die Assoziationen, die junge Museumsbesucher auf bunte Zettelchen geschrieben haben, treffen im Fall der gegenwärtig im Ludwig Museum gezeigten Skulpturen des Robert Schad den Nagel auf den Kopf. Viele der aus Vierkantstahl geschaffenen Arbeiten scheinen tatsächlich zu tanzen, mal spielerisch, mal aggressiv. Skulpturen, die tanzen - eine Tänzerin, die zur Skulptur wird: Deutlich wurde dies nun bei der Tanzperfomance der Berlinerin Fine Kwiatkowski, mit der Schad schon mehrfach zusammengearbeitet hat.

Klein, zierlich, mit fast kahl geschorenem Kopf, ganz schwarz gekleidet liegt sie zusammengekauert wie ein Embryo neben einer nestartigen Skulptur auf dem Boden. Langsam setzt elektronische Musik (Willenhad Grafenhorst) ein - unterschwelliges Brummen, über das sich eine Art Herzschlag legt. Er wird lauter, belebt behutsam die Tänzerin. Ein Arm, ein Bein bricht die geschlossene menschliche Figur auf, reckt sich, dem Stahl gleich, in die Höhe. Und fallt wieder zurück, Gliedmaßen, die ihrerseits Kreise formen, in direktem Bezug auf Benachbartes.

Tanz wird zum intensiven improvisatorischen Dialog mit Skulptur, zur Formfindung aus Körpematerial. Mal bewegt sich Fine Kwiatkowski ruckartig, robotergleich. Das ist Gestaltwerdung, die (selbst-)quälerisch Glieder abstrakte, kantige Formen zwingt, zu Klängen, die betont kühl und technisch wirken, zu knarrenden, knirschenden Geräuschen. Mal entfaltet sich ihr Körper blumengleich, wie befreit von aller Schwere, befreit von allen Grenzen des mit menschlichen Gelenken eigentlich Machbaren. In einem Moment verschmilzt die Tänzerin mit einer Skulptur, die baum-gleich aus dem Boden herauswächst. Im anderen zuckt sie vor einer aus spitzen, dreieckigen Elementen bestehenden Installation zurück, um im nächsten die stählernen Linien nachzuzeichnen. Das Publikum folgt ihr gebannt durch die Ausstellung.

"Sie haben mir erst einen Zugang zu den Skulpturen eröffnet." Wörtlicher lässt sich Annäherung an Kunst auch kaum verstehen. Und körperlich spürbarer ist sie kaum nachvollziehen.
Lieselotte Sauer-Kaulbach, Rhein-Zeitung, 20.05.2005